Zeit


(02.01.2019) Der Ambulante Hospizdienst Wilhelmshaven-Friesland e. V. begleitet und betreut Patienten und Angehörige mit ehrenamtlich tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die durch fachkundige Ausbildung und praktische Erfahrungen für diesen Dienst qualifiziert sind.
Den folgenden Text verfasste der Vorsitzende Dr. Klaus Raab.

Zeit

Was ist Zeit? Ein Gegenstandswort, das man anfassen kann? Eher nicht. Von wegen anfassen. Unendlich oft gebrauchtes Wort im Alltag. Eigentlich ein Wort für etwas, was man nicht hat. Wer hat schon Zeit? Kinder kutschieren, Joggen, Sprachkurs in der Volkshochschule. Vielleicht sollte man eine Uhr nach der Zeit fragen.
Auf der Suche nach der Zeit habe ich drei Uhren gefunden. Drei Taschenuhren: eine vom Großvater, eine vom Vater und eine von Anton A.
Der Großvater hatte bei seinem Ausscheiden aus der Buchdruckerei eine Omega- Uhr erhalten; seinerzeit das typische Abschiedsgeschenk der Firma. Sterlingsilber. Schwer. Bedeutend. Die Familie konnte ermessen, wie wichtig er gewesen war. Das tägliche morgendliche Aufziehen am Frühstückstisch hallte den ganzen Tag nach, noch nachdem sie in der Westentasche verschwunden war.
Die Uhr war ein Wunschobjekt. Man wollte dem Großvater nacheifern. Auch eine bekommen. Als ich sie bekam, war der Großvater tot.
Mein Vater auch. Seine Uhr war eine vergoldete Schweizer mit 15 Steinen. Auch bedeutend, hatte er doch viele Jahren seinen Buckel krumm gemacht, um die Familie durchzubringen. Zu seinem 80. Geburtstag bekam er sie von seiner Elfriede geschenkt. Die hatte sie von ihrer Schwester geerbt. Das sollte der Vater nicht unbedingt wissen. Geliebt hat er die Uhr dennoch und mir vermacht, glücklich, dass er mir etwas hinterlassen konnte.
Und bei den Hinterlassenschaften war da noch die dritte Uhr. Bestimmt ohne materiellen Wert. Es gab da mögliche Berichte über Krieg und Kriegsgefangenschaft. Aber ich kann keinen mehr fragen. Also musste ich sie öffnen. Ich erwartete Zeichen vom Uhrmacher zu durchgeführten Reparaturen. Ich fand die Personalien des Besitzers krakelig eingraviert. Anton A. aus Alfeld.
In Zeiten des Internets müsste es ein Leichtes sein, zu erfahren, wer der Besitzer war.
Fehlanzeige. In den einschlägigen Foren für Heraldik, in Verzeichnissen von Grabsteinen, sogenannten Totenzetteln, den Kirchenbüchern – kein Hinweis. Kann ein Mensch so einfach verschwinden?
Also schrieb ich einen örtlichen Uhrmacher und Sachverständigen an. Neben dem Namen war auch noch ein Reparaturzeichen zu erkennen. Die Antwort war zwar bezüglich des Besitzers nicht wirklich weiterführend, beleuchtet aber unsere Zeit.
„Sehr geehrter Herr …, Leider kann ich Ihnen da wenig weiterhelfen. Das Reparaturzeichen ist nicht von mir. Des Weiteren sind diese Zeichen wenig aussagekräftig, da jeder „sein“ Zeichen verwendet. Über eine einheitliche Kennzeichnung, die eine Zuordnung z.B. an eine bestimme Handwerkskammer inkl. des Betriebes zulässt, haben sich in der Vergangenheit oft kontroverse Diskussionen in Fachkreisen ergeben, die ergebnislos waren. In den letzten Jahren haben die Aufweichung des Meisterzwangs und die Zulassung auch Externer zum Reparaturmarkt wie auch die rückläufigen Ausbildungszahlen gekoppelt mit einer Stagnation im Uhrmacherhandwerk dazu geführt, dass über derartige Fragen überhaupt nicht mehr gesprochen wird. Die wenigen übriggebliebenen klassisch ausgebildeten Uhrmacher, die entweder selbständig oder als Angestellter arbeiten, widmen sich da anderen Aufgaben als einer nachvollziehbaren Kennzeichnung von Reparaturmaßnahmen. Sicherlich hat die Digitalisierung da einiges innerhalb der Branche wie z.B. bei den Markenherstellern verändert. Aber ein Zugriff auf eine einheitliche Datenbank, um z.B. Uhren, die gestohlen wurden, leichter zuzuordnen, gibt es bis heute nicht. Jeder Hersteller macht da sein „Ding“. Dass aus der neuen Datenschutzrichtlinie noch ganz andere Komplikationen entstehen, lass ich nun mal unerwähnt. Früher wurden bei einzelnen Uhrmachern Reparaturbücher geführt. Nur, wenn Sie den Betrieb nicht kennen, nützt Ihnen das wenig. Reparaturzeichen in Uhren zu kratzen, betrachte ich seit Anbeginn meiner selbständigen Tätigkeit als Sachbeschädigung. Kein Autobesitzer möchte die Reparaturhinweis zu seiner erfolgten Kfz-Reparatur unter der Motorhaube finden. Einige Uhrmacher hinterlassen ihre Zeichen sogar außerhalb der Uhr am Boden oder ähnlich. Ich möchte eine Uhr ohne erkennbare Spuren eines Eingriffes zurückgeben. Optimal ist es, wenn sogar ein Kollege nicht erkennen kann, dass die Uhr repariert wurde. Uhren mit x Reparaturvermerken deuten auch auf ein bewegtes Leben oder einen zer- reparierten Zustand hin. Also ich erwerbe so etwas nicht :-) In meinem Atelier wird mit einem wasserfesten Stift im Gehäuse, nicht unbedingt sichtbar, wie folgt notiert: 2018 HA 7 bedeutet Vollrevision im Juli 2018. Anhand der Buchungsunterlagen könnte man dann z.B. Ihre Adresse ermitteln. Wird das Gehäuse gereinigt, ist die Markierung entfernt. Den Namen, den Sie nun als Besitzer nennen, kenne ich nicht. Die Weinstraße ist in Alsfeld eine Straße, die sich in unmittelbarer Nähe zu der ehemaligen Zechenanlage des Eschweiler Bergwerks „Verein“ befindet, die die größte Kohlengrube im Aachener Revier war. In dieser Straße stehen viele kleine Einfamilienhäuser ehemaliger Mitarbeiter (Kumpel) der Zeche. Ob da dieser Mann wohnte, lässt sich für mich nicht mehr ermitteln. Ich bin seit 1989 selbständig und somit im nächsten Jahr 30 Jahr … keiner meiner Vorfahren war Uhrmacher, somit kann ich da auch aus der Historie nichts dazu sagen. Die Uhr selbst ist sicher nichts Besonderes und auch um 1920/30 hat man schon besseres gefertigt. Also wertvoll ist sicherlich die Geschichte der Uhr, nicht der Wert derselben.“

Heute erhielt ich noch Post von der deutschen Dienststelle:
„Ihre Anfrage vom 26.6.2018 als Anlage urschriftlich zurück. In der alphabetisch und nach Geburtsdaten geordneten Kartei unseres Zentralnachweises ist ein Namensträger „Anton A.“ nicht zu ermitteln.

Der Präsident des örtlichen Lions- Clubs schrieb mir
„Leider waren meine weiteren Recherchen nicht von Erfolg gekrönt. Eine Nachfrage bei der Stadt Alsdorf ergab keine neuen Erkenntnisse. Das Haus wurde mehrfach verkauft, und die jetzigen Eigentümer sind seit ein paar Jahren türkische Mitbürger, die mir auch nicht weiterhelfen konnten. Auch Nachfragen in der Nachbarschaft blieben ergebnislos.“

Die Uhr von Anton A. wird ihr Geheimnis bewahren, auch wenn sie kurzzeitig aus dem Vergessen aufgewacht war.

Dr. Klaus Raab

(Unter Mitarbeit von Hauke Norbert Heffels, Uhrmachermeister & Goldschmied, sowie Ernst Butz, Lions-Club, Alsfeld)


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» www.hospiz-whv-fri.de
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